Geschichte

Die Gießener Burschenschaft Germania kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken.
Seit ihrer Gründung 1851 überdauerte sie bereits Zeiten von Krieg und Zwangsauflösung und präsentiert sich heute als starker Bund, der entschlossen auf die Herausforderungen blickt, welche die Zukunft für ihn bereithält.
Im Folgenden sind einige wichtige Ereignisse aus der Geschichte der Burschenschaft Germania in chronologischer Reihenfolge aufgelistet.

14. August 1851

  Stiftungstag: Die Gießener Burschenschaft Germania wurde unter dem Namen „Verbindung Germania“ gegründet, da die Bezeichnung Burschenschaft zu dieser Zeit noch streng verpönt war. Ihr gingen etliche Verbindungen innerhalb Gießens voraus, die zwar nicht organisatorisch mit der Gießener Germania in Verbindung stehen, denen aber viele spätere Mitglieder und Gründer der Germania angehörten. Die direkte Vorgängerorganisation ist der Nassauer Hof, benannt nach dem gleichnamigen Kneiplokal, in welchem er sich gründete. Inhaltlich sollten die Ziele der Jenaischen Urburschenschaft Vorbild für die neue Verbindung sein.

SS 1852

  Aufnahme des Treubundes: Verstärkung der jungen Germania durch die Aufnahme der Studentenverbindung „Treubund“

SS 1853

  Annahme von Couleur und Wahlspruch: Annahme der Farben schwarz-rot-grün und einer schwarzen Mütze. Die gewünschten Farben schwarz-rot-gold konnten noch nicht realisiert werden. Wahlspruch: Gott, Freiheit, Ehre, Vaterland!
Wegen der politischen Einstellung stehen die Universitätsbehörden der neuen Germania sehr misstrauisch gegenüber und stufen sie lange als politisch verdächtig ein.

2. März 1858

  Änderung der Mützenfarbe: Austausch der schwarzen Mütze durch die noch heute getragene ziegelrote Mütze

14. August 1858

  Eintritt in das Norddeutsche Kartell (NK)

9. Februar 1860

  Annahme des Prinzipes der unbedingten Satisfaktion

9. März 1861

  Zulassung von Schwarz-Rot-Gold: Ministerielle Genehmigung für den Austausch der bisherigen Farben durch die fortan getragenen Farben schwarz-rot-gold.
Das schwarz-rot-grüne Band wird künftig als Ehrenband getragen.

5. Juli 1861

  Schaffung eines Ehrengerichtes zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Verbindungsmitgliedern

WS 1861/62

  Mitbegründung des Gießener Präsiden-Convent (PC), eines geschlossenen Verbandes zwischen den Burschenschaften Alemannia, Germania und dem Gießener Wingolf als Gegengewicht zum Senioren-Convent (SC) der Corps

18. Juni 1863

  Anerkennung als Burschenschaft von der Universitätsbehörde

SS 1869

  Austritt aus dem Norddeutschen Kartell (NK)

15. Januar 1873

  Suspendierung aus Mitgliedermangel: Die Germania wurde wegen Mitgliedermangel suspendiert, die verbleibenden Germanen fanden sich in einer Kneipgesellschaft zusammen, die den Namen Germania weiterleben ließ.

25. Mai 1876

  Rekonstitution der Gießener Burschenschaft Germania mit alten Farben, aber größerem Mitspracherecht für die Ehrenmitglieder (heute Alte Herren)

10. Juni 1878

  Aufnahme in den Eisenacher Deputierten-Convent (E.D.C.)

4. Februar 1879

  Einführung der Bestimmungsmensur

12. Februar 1880

  Austritt aus dem Eisenacher Deputierten-Convent (E.D.C.)

21. Juli 1881

  Beteiligung an der Gründung des Allgemeinen Deputierten-Conventes (A.D.C.)

19. Mai 1885

  Suspendierung aus Mitgliedermangel: Suspendierung der bereits mehrere Semester am chronischen Mitgliedermangel leidenden Burschenschaft Germania

2. Oktober 1888

  Rekonstitution durch Alemannia Gießen: Erneute Rekonstitution der Germania durch Unterstützung der Gießener Burschenschaft Alemannia

SS 1896

  Grundlage für das Kartellverhältnis mit Darmstadtia Gießen: Ein kurzlebiges, aber herzliches Paukverhältnis mit der Landsmannschaft Darmstadtia bildet die Grundlage für das spätere Kartellverhältnis, das einzige zwischen einer Burschenschaft und einer Landsmannschaft überhaupt. Es soll als „Straßenkartell“ Bekanntheit erlangen.

7. November 1897

  Gründung eines Hausbauvereins durch die Altherrenschaft

4. Februar 1898

  Erwerb eines Bauplatzes für das Germanenhaus

19. Mai 1900

  Grundsteinlegung zum Germanenhaus

1901

  Einweihung des Germanenhauses im Wetzlarer Weg 35 anlässlich des 50. Stiftungsfestes

22. Mai 1902

  Einweihung des Burschenschaftsdenkmals: In Eisenach wird das Burschenschaftsdenkmal eingeweiht. Im selben Jahr ändert der Allgemeine Deputierten-Convent (A.D.C.) seinen Namen in Deutsche Burschenschaft (DB).

1902

  Freundschaftsverhältnis mit Arminia Leipzig: Abschluss des Freundschaftsverhältnisses mit der Leipziger Burschenschaft Arminia (heute Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia und Burschenschaft Arminia zu Leipzig)

1903

  Vorsitzende Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft (DB)

WS 1904/05

  Dichtung des heutigen Bundesliedes: Bundesbruder Ernst Lieske dichtet 1904 oder zu Beginn des Jahres 1905 das heutige Germanenlied, in weniger als zehn Jahren wird es sich offiziell als Bundeslied etablieren.

1913

  Erstes Erscheinen der Mitgliederzeitschrift: Erstes Erscheinen der „Mitteilungen der Burschenschaft Germania Gießen“ (heute „Germanenblättchen“)

1918

  Ende des Ersten Weltkrieges: Während des Ersten Weltkrieges fielen 31 Mitglieder der Germania.

1919

  Organisation in Freikorps: Starke politische Tätigkeit einzelner Germanen, die sich in Freikorps organisierten, oder sich solchen anschlossen

12. Juli 1919

  Vorbesprechung zur Gründung der Roten Richtung (RR) auf dem Gießener Germanenhaus

10. Januar 1920

  Mitbegründung der Roten Richtung (RR) und anschließend des Altburschenschaftlichen Ringes

8. Juni 1930

  Austritt aus der Roten Richtung (RR)

1930/31

  Erweiterungsbau am Germanenhaus

2. Februar 1936

  Verbot durch die Nationalsozialisten: Die Aktivitas musste sich unter dem Druck des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) auflösen. Offiziell wird die „Kameradschaft I“ – später umbenannt in „Kameradschaft Brockwitz“ – gegründet, die das Germanenhaus nutzt.

1945

  Ende des Zweiten Weltkrieges: Im Zweiten Weltkrieg fanden 45 Germanen den Tod. Das Verbindungshaus wird von den US-Amerikanern beschlagnahmt und findet in den folgenden Jahren für unterschiedliche Zwecke Verwendung.

Mai 1946

  Degradierung der Universität: An die Stelle der Ludwigs-Universität tritt die „Justus-Liebig-Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin“ mit drei Fachbereichen nach langwierigen erfolglosen Verhandlungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht.

SS 1946

  Gründung der Universia: In Gießen finden sich einige Studenten zusammen und gründen die studentische Verbindung Universia.

WS 1946/47

  Aus Universia wird Ludoviciana: Die Verbindung Universia benennt sich in Ludoviciana um und trägt die Farben schwarz-rot-silber.

11. Juni 1947

  Erste Kontakte zwischen Ludoviciana und der vertagten Germania

9. Mai 1948

  Rekonstitution durch Ludoviciana: Die Altherrenschaft der suspendierten Gießener Burschenschaft Germania übernimmt die studentische Verbindung Ludoviciana als neue Aktivitas und rekonstituiert somit die Germania unter Beibehaltung ihrer Farben schwarz-rot-gold. Das zweite Ehrenband trägt seitdem die Farben schwarz-rot-silber.

28. Mai 1949

  Kleiner Burschentag in Gießen: Zu einem ersten „Kleinen Burschentag“ versammelten sich in Gießen unter Führung der Germania durch besondere Initiative ihres Bundesbruders Gebhardt 19 Verbindungen.

16. Juni 1950

  Wiederbegründung der Deutschen Burschenschaft (DB): Am Burschentag in Marburg kam es zur Wiederbegründung der Deutschen Burschenschaft. Die Bezeichnung Burschenschaft und die Farben schwarz-rot-gold wurden offiziell wieder zugelassen.

14. Juni 1951

  Wiedereintritt in die Rote Richtung (RR): Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Rote Richtung (RR) beim Burschentag in Bingen wiederbegründet. Unter den Gründungsmitgliedern befindet sich auch die Gießener Burschenschaft Germania.

15. November 1951

  Reaktivierung der Alemannia Gießen: Die suspendierte Gießener Burschenschaft Alemannia wird durch Unterstützungsburschen der Burschenschaft Germania reaktiviert.

17. Mai 1952

  Mitbegründung der Saravia Mainz: Die Mainzer Burschenschaft Saravia wird von der Gießener Burschenschaft Germania und der Vereinigung Alter Saraven Berlin (der Altherrenverband der Berliner Burschenschaft Saravia) gegründet. Aus politischen Gründen wird die Berliner Burschenschaft Saravia nach dem Krieg an ihrem Hochschulort nicht wiederbegründet. Außerdem ist die Altherrenschaft der Berliner Saraven aufgrund der Kriegswirren so stark geschwächt worden, dass eine Rekonstitution aus eigener Kraft nicht möglich ist.
Die Gießener Burschenschaft Germania sieht an der auf nur drei Fachbereiche beschränkten Gießener Universität die große Befürchtung, dass sich ihre Verbindung zu einer reinen Fachverbindung entwickeln wird.
Die Mainzer Burschenschaft Saravia übernimmt Satzung, Couleur, Wahlspruch und Bundeslied der Gießener Germanen sowie die Zirkel beider Gründungsburschenschaften.
Fortan bildet die Mainzer Burschenschaft Saravia mit der Gießener Burschenschaft Germania einen Bund an zwei Hochschulorten.

1957

  Justus-Liebig-Universität: Die Justus-Liebig-Hochschule wird wieder Volluniversität unter dem Namen „Justus-Liebig-Universität Gießen“.

23. April 1969

  Austritt aus der Roten Richtung (RR)

15. Dezember 1973

  Saravia Mainz wird fakultativ schlagend: Die Mainzer Burschenschaft Saravia beschließt, das pflichtschlagende Prinzip abzuschaffen und wird fakultativ schlagend. Die neue Satzung tritt am 10.05.1975 in Kraft. Es wird keine Rückkehr zur Bestimmungsmensur geben.

4. Juli 1974

  Saravia Mainz erwirbt eigenes Haus: Die Mainzer Burschenschaft Saravia erwirbt ein als Verbindungshaus gut geeignetes Kaufobjekt im „Mainzer Grüngürtel“ (Neumannstraße 4). Seit wenigen Jahren nach der Gründung (1. Mai 1955) dienten angemietete Räumlichkeiten in einem Gebäude der ehemaligen Alicekaserne als „Saravenheim“.

15. November 1975

  Eintritt in die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG)

10. Juni 1981

  Vertagung der Saravia Mainz: Die Aktivitas der Mainzer Burschenschaft Saravia wird in der Deutschen Burschenschaft vertagt und ist seitdem nicht mehr reaktiviert worden.

WS 1989/90

  Austritt aus der BG und Mitbegründung der BI: Austritt aus der Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG) und Mitbegründung der Burschenschaftlichen Initiative (BI) als vermittelndes Organ zwischen BG und dem Hambacher Kreis

7. Dezember 1991

  Saravia Mainz verkauft Verbindungshaus: Die Mainzer Burschenschaft Saravia beschließt das Saravenhaus in der Neumannstraße 4 zu veräußern, nachdem sich keine neue Aktivitas finden ließ.

Juni 2001

  150. Stiftungsfest: Im Sommersemester 2001 feierte die Germania ihr 150. Stiftungsfest. Außerdem wurde das Germanenhaus 100 Jahre alt. Die Gießener Burschenschaft Germania ist die älteste Burschenschaft am Hochschulort.

10. Februar 2008

  Gründung des Kartells Roter Burschenschaften (KRB): Die Mitglieder der 2001 zum zweiten Mal neugegründeten Roten Richtung (Burschenschaft Holzminda Göttingen und Straßburger Burschenschaft Arminia zu Tübingen) gründeten am 10. Februar 2008 gemeinsam mit der Würzburger Burschenschaft Arminia das Kartell Roter Burschenschaften (KRB), das anders als die Rote Richtung nicht an die Deutsche Burschenschaft (DB) gebunden ist und somit auch für dachverbandsfreie Burschenschaften offensteht.
Die Gießener Burschenschaft Germania wird nach ihrem noch im selben Jahr folgenden DB-Austritt früh Kontakt mit dem neu gegründeten Kartell aufnehmen.

2008

  Austritt aus der Deutschen Burschenschaft (DB)

15. Dezember 2012

  DB-Austritt der Saravia Mainz: Nach dem außerordentlichen Burschentag Ende November 2012 entschließt sich der Mainzer Schwesterbund der Gießener Germania wenig später, wie einige andere Bünde auch, aus der Deutschen Burschenschaft (DB) auszutreten. Auch die befreundete Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia ist unter den Austrittsbünden.

28. April 2013

Eintritt in das Kartell Roter Burschenschaften (KRB): Auf dem Kartellconvent in Göttingen wird die Gießener Burschenschaft Germania offiziell in das Kartell Roter Burschenschaften (KRB) aufgenommen. Sie ist damit der vierte Mitgliedsbund.

26. Mai 2013

Eintritt in die Initiative Burschenschaftliche Zukunft (IBZ): In den folgenden drei Jahren beteiligt sich die Germania im Rahmen der IBZ aktiv an der Gründung eines neuen burschenschaftlichen Verbandes. Sie stellt u. a. einen Amtsträger im Gründungsausschuss und richtet eine von sechs Gründungstagungen in Gießen aus.

3. Oktober 2016

Mitbegründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft (ADB): Am Burschentag in Jena ist die Gießener Burschenschaft Germania eine von 27 Gründungsburschenschaften der aus Planungen innerhalb der IBZ hervorgegangenen ADB. Nach fast acht Jahren der Verbandslosigkeit beteiligen sich Gießener Germanen mit der Übernahme von mehreren Ämtern von vornherein aktiv an der Verbandsarbeit.

Hurra, hurra, hurra Germania! Vivas, crescas, floreas immerdar!